Ein Game Ranger in einem afrikanischen Reservat zu sein, war ein Traum, den ich mir in jungen Jahren erfüllte.

Als ich nach Südafrika auswanderte, erhielt ich innerhalb eines Monats einen Job und hatte ein Leben wie in Europa. Was mich aber am meisten interessierte, war die Natur. Um sie zu entdecken, brauchte ich meinen Job mit dem entsprechenden Einkommen. Die Faszination für die Wildnis und die Tiere Afrikas war schon immer in mir. So entschloss ich mich eines Tages, in Südafrika eine entsprechende Ausbildung zu absolvieren. Mit dem erworbenen Zertifikat konnte ich als Guide auf dem schwarzen Kontinent arbeiten und mich den Herausforderungen der Natur stellen.

Die Ausbildung zum Game Ranger

Ich begann eine Ausbildung als Game Ranger. Die letzte Überlebenswoche fand in der Nähe von Phalaborwa statt, einem Ort, der für seine beeindruckenden Baobabs oder Affenbrotbäume und die robusten Mopani-Bäume bekannt ist. Das Holz des Mopani-Baumes ist eines der schwersten und härtesten Hölzer im südlichen Afrika. Es ist so robust, dass selbst Termiten daran scheitern und diese Bäume meiden. Daher wird dieses Holz häufig für den Bau von Häusern und Zäunen verwendet.

Die charakteristischen Blätter des Mopani-Baumes dienen als Nahrung für die Mopani-Raupe, die sich später in den wundervollen braunen Nachtfalter (Gonimbrasia belina) verwandelt. Diese Mopani-Würmer sind eine Delikatesse, deren Verkauf der Wirtschaft mehrere Millionen Schweizer Franken Jahresumsatz einbringt. Die Innereien der Raupe werden zunächst herausgedrückt, dann mit Zwiebeln frittiert und zusammen mit Mieliepap (eine Art Polenta aus weissem Mais) genossen.

Die Härte des Busches: Ein tägliches Überleben, fressen oder gefressen werden!

Das Überleben im Busch ist sehr hart, besonders wenn man an den Komfort des modernen Lebens gewöhnt ist. Die Nächte waren kalt, und die Tage unerbittlich heiss. Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht von 30º Celsius sind keine Seltenheit. Die Geräusche der Wildnis wurden mein ständiger Begleiter. Kurz vor Sonnenaufgang, wenn das Licht gerade ausreichte, um die Umgebung zu erkennen, machte ich mich mit einem Wassersack, einem Wassercontainer und einer Schaufel auf den Weg zum Flussbett, das meistens ausgetrocknet war.

Der Wassersack diente zum Duschen, wofür ich 7 bis 8 Liter Wasser benötigte. Ich machte mich kurz nass, seifte mich ein und spülte das Seifenwasser anschließend ab. So lernte ich, Wasser zu sparen, und diese Gewohnheit habe ich bis heute beibehalten. Das Wasser im Container war zum Kochen und Trinken bestimmt und musste gefiltert werden. Es dauerte oft über zwei Stunden, um ein Loch im Flussbett zu graben und eine ausreichende Menge Wasser zu sammeln. Die harte Arbeit wurde durch grosse Steine erschwert, die den Fortschritt immer wieder stoppten. Aber einmal gegraben, konnte ich das Wasserloch immer wieder verwenden – so dachte ich zumindest.

Die unerwarteten Gäste

Am nächsten Morgen wollte ich mir wieder meine tägliche Wasserration holen, aber ein riesiger Elefantenbulle hatte mein Wasserloch, meine schwer erarbeitete Wasserquelle, in Beschlag genommen. Er sah mich an, als wollte er sagen: »Ich war zuerst da!« Das stimmte zwar, aber ich hatte das Loch gegraben, also war es mein Wasserloch. Ich beobachtete ihn lange, in der Hoffnung, dass er bald weiterzieht und mir etwas Wasser übriglassen würde. Doch zu meinem Pech kamen noch ein zweiter und dritter Elefant hinzu. Die Giganten standen träge in der Morgensonne und tranken genüsslich das Wasser, für das ich so hart gearbeitet hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als ein zweites Loch, weiter weg, zu graben.

Während ich erneut in die Tiefe grub, schauten mir die drei Elefanten interessiert zu. Ihre Neugierde schien unersättlich, und ich war überzeugt, dass sie bereits den nächsten Plan schmiedeten, um mir auch dieses Wasserloch streitig zu machen. Es war klar, dass ich keine Chance hatte, ihnen das Wasser zu entziehen.

Die Schönheit der Wildnis

Doch wollte ich überhaupt eine Chance? Mit jedem Spatenstich wurde mir klar, dass ich eins mit der Natur war. Die Herausforderungen des Überlebens im Busch machten mich stärker und lehrten mich Demut. Die Ruhe, die Wildnis und der Duft der Elefanten wurden zu einem festen Bestandteil meines Lebens. Elefanten haben einen besonderen Geruch, der süsslich und erdig zugleich ist, und es machte mir Freude, sie vor meinem Wasserloch zu fotografieren.

Die Elefanten nahmen nicht nur mein Wasser, sondern gaben mir auch etwas zurück: eine tiefe Verbindung zur Natur und eine unvergleichliche Erfahrung, die mein Leben bereicherte. Ihre majestätische Präsenz und ihr ruhiges Verhalten lehrten mich Geduld und Respekt vor der Natur.

Das Leben als Game Ranger war eine Reise voller Abenteuer und unerwarteter Lektionen. Jeder Tag brachte neue Herausforderungen und Überraschungen, die mich lehrten, im Einklang mit der Natur zu leben. Die Elefanten, die mein Wasserloch beanspruchten, waren mehr als nur Rivalen; sie waren Lehrer, die mir zeigten, wie man in Harmonie mit der Umgebung lebt.

Diese Erfahrungen prägen noch heute mein Leben. Das Bewusstsein für die Schönheit und die Herausforderungen der Natur hat mich gelehrt, nachhaltiger und respektvoller zu leben. Ich bin dankbar für jede Minute, die ich in der Wildnis verbracht habe, und für die Weisheiten, die ich von den Elefanten und anderen Bewohnern des Buschs lernen durfte.

Das ist doch das echte Leben in und mit der Natur – eine Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann.